Nagelstudio

Dein Weg zum eigenen Nagelstudio in der Schweiz

Dieser Leitfaden zeigt dir alles, was du wissen musst, um dein eigenes Nagelstudio in der Schweiz zu eröffnen. Von den Qualifikationen über die wichtigen Hygienevorschriften bis hin zu Marketing und Kundengewinnung begleiten wir dich auf jedem Schritt.

Ein eigenes Nagelstudio zu eröffnen ist einer der zugänglichsten Wege in die Selbständigkeit in der Beautybranche. Im Vergleich zu anderen Berufsfeldern kannst du relativ schnell starten, da in den meisten Kantonen keine spezifische Bewilligung erforderlich ist.

  • Phase 1 (2-4 Wochen): Ausbildung abschliessen oder nachweisen, Rechtsform wählen, Firma gründen, bei der Gemeinde melden.
  • Phase 2 (1-2 Monate): Sozialversicherungen anmelden, Versicherungen abschliessen, Räumlichkeiten suchen, Hygienekonzept erstellen, Ausstattung kaufen.
  • Phase 3 (2-4 Wochen): Studio einrichten, Marketing aufbauen, Website und Social Media starten, erste Kunden gewinnen.
  • Phase 4 (laufend): Fortbildungen, Trends verfolgen, Kundenstamm ausbauen.

Die Nagelbranche ist kreativ und dynamisch. Mit neuen Trends wie Nail Art, Gel-Techniken und innovativen Designs gibt es immer etwas Neues zu lernen. Ein starkes Instagram-Portfolio kann ein entscheidender Erfolgsfaktor sein.

Mit guter Vorbereitung kannst du innerhalb von 2-3 Monaten dein Studio eröffnen und deinen Traum von der Selbständigkeit verwirklichen.

Im Bereich Nageldesign gibt es in der Schweiz keinen eidgenössischen Fachausweis (EFZ) als eigenständigen Beruf. Dennoch gibt es anerkannte Qualifikationen und empfohlene Ausbildungswege:

Eidg. Fachausweis Naildesigner/in: Dieser Fachausweis ist die höchste anerkannte Qualifikation im Bereich Nageldesign und wird nach einer Berufsprüfung vergeben. Er bestätigt umfassende Kenntnisse in Nageltechniken, Hygiene und Geschäftsführung.

Private Schulen: Zahlreiche private Schulen bieten Ausbildungen im Bereich Nageldesign an. Achte darauf, dass die Schule idealerweise eine eduQua-Zertifizierung besitzt, was ein Qualitätsmerkmal für Weiterbildungsinstitutionen in der Schweiz ist. Die Ausbildungsdauer variiert von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten.

Q-Label von Swiss Nail Design: Das Qualitätslabel von swissnaildesign.ch ist ein branchenspezifisches Gütesiegel. Es signalisiert deinen Kunden, dass du nach anerkannten Standards arbeitest. Auch der SFK (Schweizerischer Fachverband für Kosmetik) bietet relevante Zertifizierungen an.

Bewilligungen: In den meisten Kantonen brauchst du keine spezifische Gewerbebewilligung für ein Nagelstudio. Du musst dich jedoch bei deiner Gemeinde als Gewerbetreibende/r anmelden. Erkundige dich sicherheitshalber bei deinem kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit.

Auch wenn du theoretisch ohne Diplom arbeiten kannst, raten wir davon ab. Eine fundierte Ausbildung schützt dich und deine Kunden vor Fehlern und gibt dir die Sicherheit, professionell zu arbeiten.

Die Wahl der Rechtsform ist ein wichtiger erster Schritt. Für ein Nagelstudio kommen hauptsächlich zwei Optionen in Frage:

Einzelfirma: Ideal für den Start. Du meldest dich bei der AHV-Ausgleichskasse als Selbständigerwerbende/r an und kannst sofort loslegen. Kein Mindestkapital nötig, einfache Buchhaltung. Ab CHF 100'000 Jahresumsatz musst du dich ins Handelsregister eintragen. Nachteil: Du haftest mit deinem Privatvermögen.

GmbH: Bietet beschränkte Haftung, erfordert aber CHF 20'000 Stammkapital und eine notarielle Gründung. Sinnvoll, wenn du grössere Investitionen planst oder Mitarbeitende einstellen möchtest.

Für die meisten Nagelstudio-Gründerinnen ist die Einzelfirma die beste Wahl für den Anfang. Du kannst später immer noch auf eine GmbH umsteigen, falls dein Geschäft wächst. Vergiss nicht, dich bei deiner Gemeinde als Gewerbetreibende anzumelden und deine UID-Nummer zu beantragen.

Als Selbständigerwerbende/r bist du für deine Sozialversicherungen selbst verantwortlich. Diese Pflichten solltest du frühzeitig erledigen:

AHV/IV/EO (1. Säule): Melde dich innerhalb von 90 Tagen nach Geschäftsaufnahme bei deiner kantonalen Ausgleichskasse an. Die Beiträge richten sich nach deinem Nettoeinkommen. Am Anfang, wenn der Umsatz noch tief ist, zahlst du nur den Mindestbeitrag von ca. CHF 514 pro Jahr.

Berufliche Vorsorge (2. Säule): Als Selbständige bist du nicht BVG-pflichtig. Du kannst dich aber freiwillig anschliessen, was besonders empfehlenswert ist, wenn du langfristig eine gute Altersvorsorge aufbauen möchtest.

Private Vorsorge (3. Säule): Nutze unbedingt die Säule 3a. Ohne 2. Säule kannst du bis zu 20% deines Nettoeinkommens (max. CHF 35'280/Jahr) steuerlich abzugsfähig einzahlen. Das ist eine der besten Sparmöglichkeiten für Selbständige.

Tipp: Rechne in deinem Businessplan die Sozialversicherungsbeiträge mit ein. Sie machen einen erheblichen Teil deiner Fixkosten aus, vor allem, wenn dein Einkommen steigt.

Im Nagelstudio arbeitest du mit Chemikalien und hautpenetrierenden Werkzeugen, daher ist eine gute Versicherungsabdeckung wichtig:

Berufshaftpflichtversicherung: Schützt dich, wenn durch deine Arbeit Schäden entstehen. Für Nageldesignerinnen liegen die Prämien ab ca. CHF 450 pro Jahr. Anbieter wie Helvetia, Zurich und exali.ch bieten passende Produkte an. Achte auf eine Deckungssumme von mindestens CHF 3 Millionen.

Typische Risiken:

  • Allergische Reaktionen auf Gel, Acryl oder andere Produkte
  • Infektionen durch unzureichende Sterilisation
  • Hautreizungen oder Verbrennungen durch UV-Lampen
  • Schäden durch chemische Produkte (z.B. Acetonkontakt mit empfindlicher Haut)

Unfallversicherung: Als Selbständige freiwillig, aber dringend empfohlen. Besonders da du mit Chemikalien arbeitest und Verletzungsrisiken bestehen.

Krankentaggeld: Deckt deinen Verdienstausfall bei Krankheit ab. Da du als Selbständige kein Lohn erhältst, wenn du krank bist, ist diese Versicherung eine wichtige Absicherung.

Hygiene und Arbeitssicherheit sind im Nagelstudio von zentraler Bedeutung, sowohl für den Schutz deiner Kunden als auch für deinen eigenen Schutz:

BLV-Richtlinien: Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen gibt allgemeine Richtlinien für Betriebe vor, die am menschlichen Körper arbeiten. Diese umfassen Reinigung, Desinfektion und Sterilisation.

Schriftlicher Hygieneplan: Du musst einen detaillierten Hygieneplan erstellen und jederzeit zur Einsicht bereithalten. Dieser dokumentiert alle Reinigungs- und Desinfektionsabläufe, die Häufigkeit der Sterilisation und die Entsorgung von Einwegmaterialien.

Sterilisation und Desinfektion:

  • Autoklav für wiederverwendbare Instrumente (Feilen, Scheren, Nippers)
  • Einwegfeilen und -buffer wo immer möglich verwenden
  • Desinfektion aller Arbeitsflächen zwischen den Kunden

Staubabsaugung und Belüftung: Beim Feilen von Gel- und Acrylnägeln entsteht Feinstaub, der gesundheitsschädlich sein kann. Eine professionelle Staubabsauganlage am Arbeitsplatz ist unverzichtbar. Zusätzlich solltest du für gute Raumbelüftung sorgen, da viele Nagelprodukte flüchtige Chemikalien enthalten.

Persönliche Schutzausrüstung (PSA):

  • Nitrilhandschuhe bei der Arbeit mit Chemikalien
  • FFP2-Maske beim intensiven Feilen
  • Schutzbrille bei bestimmten Arbeiten

Chemische Sicherheit: Bewahre alle chemischen Produkte (Aceton, Primer, Monomer-Flüssigkeit) gemäss den Sicherheitsdatenblättern auf. Halte Sicherheitsdatenblätter für alle verwendeten Produkte bereit. Die VKos (Verordnung über kosmetische Mittel) regelt die Anforderungen an die verwendeten Produkte.

Eine gute Organisation ist das Fundament deines Nagelstudios. So behältst du den Überblick:

Geschäftskonto: Eröffne ein separates Geschäftskonto, um deine Finanzen sauber zu trennen. Vergleiche die Angebote von Migros Bank, UBS, Raiffeisen und PostFinance. Achte auf niedrige Gebühren und allenfalls ein integriertes Kartenterminal für Kundenzahlungen.

Rechnungsstellung: Auch wenn viele Kunden bar oder mit Karte zahlen, brauchst du ein System für Rechnungen und Quittungen. Bexio, Klara oder Smallinvoice sind beliebte Schweizer Lösungen, die Rechnungsstellung und Buchhaltung verbinden.

Online-Buchungssystem: Ein Buchungstool spart dir und deinen Kunden Zeit. Treatwell, Shore und Salonkee sind in der Beauty-Branche beliebt und bieten Funktionen wie automatische Erinnerungen, Kundenverwaltung und Auswertungen.

Buchhaltung: Führe von Anfang an eine saubere Buchhaltung. Sammle alle Belege, dokumentiere Einnahmen und Ausgaben. Bei einer Einzelfirma genügt eine einfache Milchbüchleinrechnung, aber eine professionelle Software macht das Leben einfacher.

Die Einrichtung deines Nagelstudios erfordert spezifische Überlegungen, besonders in Bezug auf Belüftung und Arbeitssicherheit:

Staubabsaugung: Das wichtigste Ausstattungselement! Beim Feilen von Gel- und Acrylnägeln entsteht gesundheitsschädlicher Feinstaub. Eine professionelle Staubabsauganlage (am Tisch integriert oder als separate Einheit) ist unverzichtbar. Budgetiere ca. CHF 300-800 pro Arbeitsplatz.

Belüftung: Gute Raumbelüftung ist Pflicht. Viele Nagelprodukte (Monomer, Aceton, Primer) geben flüchtige Dämpfe ab. Eine Frischluftzufuhr oder ein Lüftungssystem sorgt für ein gesundes Arbeitsklima. Fenster zum Lüften allein reichen oft nicht aus.

Weitere Ausstattung:

  • Professioneller Nageltisch mit integrierter Absaugung (ca. CHF 500-1'500)
  • UV/LED-Lampen für Gel-Härtung (ca. CHF 50-200 pro Stück)
  • Autoklav für die Sterilisation (ca. CHF 500-2'000)
  • Elektrofräse (E-File) für die Nagelbearbeitung (ca. CHF 200-600)
  • Bequeme Stühle für dich und deine Kunden
  • Gute Beleuchtung (Tageslichtlampen)

Denke auch an die Atmosphäre: Dein Studio sollte sauber, modern und einladend sein. Ein durchdachtes Design hebt dich von der Konkurrenz ab und sorgt dafür, dass sich deine Kunden wohlfühlen.

Im Nageldesign ist visuelles Marketing besonders wichtig. Deine Arbeit ist Kunst, und du solltest sie zeigen:

Website und Branding: Eine professionelle Website ist deine digitale Visitenkarte. smedium unterstützt Selbständige in der Beautybranche mit massgeschneidertem Webdesign, Branding und digitalem Marketing. Ein einheitliches Erscheinungsbild, vom Logo über die Website bis zu den Social-Media-Profilen, schafft Wiedererkennungswert.

Instagram: Dies ist DIE Plattform für Nageldesignerinnen. Zeige deine besten Arbeiten in hochwertigen Fotos und Videos. Nail-Art-Designs, saisonale Trends und kreative Techniken generieren hohe Reichweite. Nutze relevante Hashtags wie #nailsofinstagram, #nailart und lokale Tags wie #nailsstudio[deinestadt]. Reels mit Zeitraffern deiner Arbeit sind besonders beliebt.

Google Business Profile: Erstelle ein kostenloses Profil, damit du in der lokalen Suche erscheinst. Lade Fotos hoch, halte die Öffnungszeiten aktuell und sammle Google-Bewertungen von zufriedenen Kunden.

Plattformen: Trage dich auf Treatwell ein, dem führenden Buchungsportal für Beauty-Dienstleistungen in der Schweiz. Auch Google Maps, local.ch und branchenspezifische Verzeichnisse bringen dir Sichtbarkeit.

Super, du bist bereit durchzustarten! Hier deine Checkliste für die Eröffnung deines Nagelstudios:

  • Ausbildung abschliessen oder nachweisen
  • Rechtsform wählen und Firma gründen
  • Bei der Gemeinde als Gewerbetreibende/r anmelden
  • AHV-Anmeldung als Selbständigerwerbende/r
  • Berufshaftpflichtversicherung abschliessen
  • Hygienekonzept erstellen
  • Räumlichkeiten finden und einrichten (Staubabsaugung!)
  • Geschäftskonto eröffnen
  • Online-Buchungssystem einrichten
  • Instagram-Profil und Website aufbauen
  • Erste Kunden gewinnen

Fang mit den wichtigsten Schritten an und arbeite dich durch die Liste. Viele Punkte kannst du parallel erledigen. Und denk daran: Jeder erfolgreiche Salon hat einmal klein angefangen.

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