Kosmetik
Dein Weg zum eigenen Kosmetikstudio in der Schweiz
Dieser Leitfaden zeigt dir Schritt für Schritt, wie du dein eigenes Kosmetikstudio in der Schweiz eröffnest. Von den Qualifikationen über die Hygieneanforderungen bis zur Kundengewinnung findest du hier alle wichtigen Informationen für deinen erfolgreichen Start.
Ein eigenes Kosmetikstudio zu eröffnen ist ein spannender Schritt. Die gute Nachricht: In der Schweiz kannst du auch ohne eidgenössischen Fachausweis als Kosmetikerin arbeiten. Dennoch ist eine fundierte Ausbildung dringend empfohlen, um professionell und sicher zu arbeiten.
- Phase 1 (1-2 Monate): Ausbildung planen oder abschliessen, Rechtsform wählen, Firma gründen.
- Phase 2 (2-3 Monate): Sozialversicherungen anmelden, Versicherungen abschliessen, Räumlichkeiten suchen und einrichten, Hygienekonzept erstellen.
- Phase 3 (1-2 Monate): Marketing und Website aufbauen, Online-Buchungssystem einrichten, erste Kunden gewinnen.
- Phase 4 (laufend): Fortbildungen absolvieren, Dienstleistungsangebot erweitern, Kundenstamm ausbauen.
Die Kosmetikbranche in der Schweiz ist vielfältig und bietet viele Spezialisierungsmöglichkeiten, von der klassischen Gesichtspflege über Permanent Makeup bis hin zu apparativen Behandlungen. Überlege dir früh, wo deine Stärken liegen und welche Nische du besetzen möchtest.
Mit guter Planung und den richtigen Schritten kannst du innerhalb von 3-6 Monaten dein Studio eröffnen und deine ersten Kunden empfangen.
Die Kosmetikbranche bietet verschiedene Ausbildungswege. Hier ein Überblick über die wichtigsten Qualifikationen:
EFZ Kosmetiker/in: Die eidgenössische Grundausbildung dauert 3 Jahre und ist der anerkannte Berufsabschluss in der Schweiz. Das EFZ wird vom SBFI (Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation) reguliert und bietet eine umfassende Ausbildung in allen Bereichen der Kosmetik.
SFK (Schweizerischer Fachverband für Kosmetik): Der SFK bietet Weiterbildungen und Zertifizierungen an und ist ein wichtiger Ansprechpartner für Berufsangehörige. Eine SFK-Mitgliedschaft signalisiert Professionalität und Qualität.
Wichtig zu wissen: Du kannst in der Schweiz grundsätzlich auch ohne EFZ als Kosmetikerin arbeiten. Für nicht-invasive Behandlungen wie Gesichtsreinigungen, Maniküre oder Wimpernlifting ist in den meisten Kantonen keine spezielle Bewilligung erforderlich. Bei invasiven Behandlungen wie Permanent Makeup, Microneedling oder apparativen Behandlungen ist die Lage anders, besonders in der Romandie, wo oft eine kantonale Bewilligung verlangt wird.
Unser Rat: Investiere in eine solide Ausbildung, auch wenn sie nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Deine Kunden vertrauen dir ihre Haut an, und fundiertes Wissen ist die Grundlage für sichere und erfolgreiche Behandlungen.
Für die Gründung deines Kosmetikstudios musst du dich für eine Rechtsform entscheiden. Die beiden gängigsten Optionen sind:
Einzelfirma (Einzelunternehmen): Der einfachste und schnellste Weg. Du meldest dich bei der kantonalen Ausgleichskasse als Selbständigerwerbende/r an und kannst sofort loslegen. Ab CHF 100'000 Jahresumsatz ist der Eintrag ins Handelsregister Pflicht. Die Buchhaltung ist unkompliziert, und es fallen keine Gründungskosten an. Der Nachteil: Du haftest mit deinem gesamten Privatvermögen.
GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung): Bietet dir eine beschränkte Haftung, erfordert aber ein Stammkapital von CHF 20'000 sowie eine notarielle Gründung (Kosten ca. CHF 2'000-3'000). Die GmbH ist sinnvoll, wenn du von Anfang an Mitarbeitende einstellen möchtest oder wenn du Investitionen in teure Geräte planst.
Für den Start empfehlen wir die Einzelfirma. Du sparst Gründungskosten und kannst bei Bedarf später auf eine GmbH umsteigen. Nutze das KMU Portal des Bundes für weitere Informationen zur Firmengründung und zu deinen Pflichten als Selbständigerwerbende/r.
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Als selbständige Kosmetikerin bist du für deine Sozialversicherungen selbst verantwortlich. Das ist ein wichtiger Schritt, den du nicht aufschieben solltest:
AHV/IV/EO (1. Säule): Die Anmeldung bei deiner kantonalen Ausgleichskasse ist obligatorisch. Du zahlst Beiträge basierend auf deinem Nettoeinkommen. Bei niedrigem Einkommen zu Beginn sind die Beiträge entsprechend gering (Mindestbeitrag ca. CHF 514/Jahr). Melde dich innerhalb von 90 Tagen nach Geschäftsaufnahme an.
Berufliche Vorsorge (2. Säule): Als Selbständige bist du nicht BVG-pflichtig, kannst dich aber freiwillig versichern. Besonders wenn du vorher angestellt warst und bereits ein BVG-Guthaben aufgebaut hast, solltest du dieses nicht einfach brachliegen lassen. Erkundige dich bei deinem Berufsverband oder der Auffangeinrichtung BVG.
Private Vorsorge (3. Säule): Nutze die steuerlich begünstigte Säule 3a, um für dein Alter vorzusorgen. Ohne 2. Säule kannst du bis zu 20% deines Nettoeinkommens einzahlen (maximal CHF 35'280/Jahr). Dies ist eine der besten Möglichkeiten, um Steuern zu sparen und gleichzeitig fürs Alter vorzusorgen.
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In der Kosmetikbranche ist eine gute Versicherungsabdeckung besonders wichtig, da du direkt an der Haut deiner Kunden arbeitest. Hier die wichtigsten Versicherungen:
Berufshaftpflichtversicherung: Unverzichtbar für jede Kosmetikerin. Sie deckt Schäden ab, die durch deine Behandlungen entstehen können, wie allergische Reaktionen auf Produkte, Hautschäden durch Behandlungen oder Infektionen. Die Kosten liegen bei ca. CHF 300-800 pro Jahr, je nach Anbieter und Deckungsumfang. Wichtige Versicherer sind die Mobiliar, AXA, Helvetia, Zurich und Baloise.
Spezifische Risiken der Kosmetikbranche:
- Allergische Reaktionen auf Produkte oder Inhaltsstoffe
- Hautschäden durch Peelings, apparative Behandlungen oder UV-Exposition
- Infektionen durch mangelnde Hygiene bei hautpenetrierenden Behandlungen
- Verbrennungen durch Wachs- oder Laserbehandlungen
Unfallversicherung: Als Selbständige nicht obligatorisch, aber dringend empfohlen. Denke auch an eine Krankentaggeldversicherung, die deinen Verdienstausfall bei Krankheit abdeckt.
Tipp: Hole Offerten von verschiedenen Anbietern ein und achte besonders auf die Deckungssumme und eventuelle Ausschlüsse. Eine günstige Prämie nützt nichts, wenn der Versicherungsschutz im Ernstfall nicht ausreicht.
Hygiene ist in der Kosmetikbranche von zentraler Bedeutung. Die Schweiz hat klare Vorschriften, die du einhalten musst:
BLV-Richtlinien: Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) gibt Richtlinien für die Hygiene in Kosmetikbetrieben vor. Diese umfassen allgemeine Sauberkeit, Desinfektion, und den Umgang mit Kosmetikprodukten.
Sterilisation und Desinfektion:
- Alle hautpenetrierenden Instrumente müssen im Autoklaven sterilisiert werden
- Einweginstrumente (Nadeln, Klingen, etc.) müssen nach einmaliger Verwendung fachgerecht entsorgt werden
- Arbeitsflächen müssen zwischen den Behandlungen desinfiziert werden
- Handtücher und Laken werden nach jeder Kundin gewechselt
Schriftlicher Hygieneplan: Du musst einen detaillierten Hygieneplan erstellen, der alle Reinigungs- und Desinfektionsabläufe dokumentiert. Dieser muss jederzeit einsehbar sein und regelmässig aktualisiert werden.
VKos (Verordnung über kosmetische Mittel): Diese Bundesverordnung regelt die Anforderungen an kosmetische Produkte in der Schweiz. Achte darauf, dass alle von dir verwendeten Produkte den gesetzlichen Anforderungen entsprechen und korrekt gekennzeichnet sind.
Rechne damit, dass der Kantonschemiker unangemeldete Kontrollen durchführen kann. Ein sauberes, gut dokumentiertes Hygienekonzept ist dein bester Schutz.
Eine gut organisierte Administration erleichtert dir den Alltag und sorgt dafür, dass du dich auf deine Kunden konzentrieren kannst:
Geschäftskonto: Trenne von Anfang an private und geschäftliche Finanzen. Gute Optionen für Selbständige in der Schweiz sind Migros Bank (günstige Konditionen), UBS, Raiffeisen und PostFinance. Vergleiche die monatlichen Gebühren und achte auf versteckte Kosten bei Kartenzahlungen.
Rechnungsstellung: Verwende eine professionelle Software für deine Rechnungen. Tools wie Bexio, Klara oder Smallinvoice bieten alles, was du brauchst, und sind speziell für Schweizer KMU konzipiert. So stellst du sicher, dass alle gesetzlichen Anforderungen erfüllt sind.
Online-Buchungssystem: Ein Buchungstool ist heutzutage fast unverzichtbar. Speziell für die Kosmetikbranche geeignete Plattformen sind Treatwell, Shore und Salonkee. Sie ermöglichen 24/7-Buchungen, automatische Erinnerungen und Kundenverwaltung. Viele bieten auch eine Kassenfunktion und Auswertungen.
Buchhaltung: Führe von Anfang an eine saubere Buchhaltung. Als Einzelfirma genügt eine einfache Einnahmen-/Ausgabenrechnung. Sammle alle Belege und ordne sie monatlich. Wenn Buchhaltung nicht deine Stärke ist, investiere in einen Treuhänder, das zahlt sich langfristig aus.
Dein Kosmetikstudio sollte eine Wohlfühlatmosphäre schaffen und gleichzeitig professionellen Standards entsprechen. Hier die wichtigsten Überlegungen:
Standort: Die Lage ist entscheidend. Ein gut erreichbarer Standort mit Laufkundschaft (z.B. in einem Einkaufsgebiet oder nahe einer Bushaltestelle) ist ideal, aber auch teurer. Alternativ kannst du mit einem Studio in einer ruhigeren Lage starten und über Online-Marketing Kunden anziehen. Achte auf ausreichend Parkplätze oder gute ÖV-Anbindung.
Einrichtung: Du brauchst mindestens:
- Professionelle Behandlungsstühle oder -liegen (ca. CHF 800-3'000 pro Stück)
- Sterilisationsgeräte (Autoklav, ca. CHF 500-2'000)
- Produktlagerung mit geeigneter Temperatur und Lichtschutz
- Hautanalyse-Geräte (je nach Spezialisierung)
- Gute Beleuchtung (Tageslichtlampen für die Behandlung)
- Empfangs- und Wartebereich
Atmosphäre: Investiere in eine angenehme Raumgestaltung. Saubere, helle Räume mit angenehmen Farben und dezenter Dekoration schaffen Vertrauen. Dein Studio ist deine Visitenkarte, und der erste Eindruck zählt.
In der Kosmetikbranche spielt Marketing eine zentrale Rolle. Deine Kunden wollen sehen, was du kannst, bevor sie einen Termin buchen:
Website und Branding: Dein professioneller Online-Auftritt ist das A und O. smedium unterstützt Selbständige im Beauty- und Wellnessbereich mit massgeschneidertem Webdesign, Branding und digitalem Marketing. Ein konsistentes Erscheinungsbild, vom Logo über die Website bis zur Visitenkarte, schafft Wiedererkennungswert und Vertrauen.
Instagram: Die wichtigste Plattform für Kosmetikerinnen. Zeige Vorher-Nachher-Bilder (mit Kundeneinwilligung), teile Pflegetipps und gib Einblicke in deinen Arbeitsalltag. Instagram Stories und Reels sind besonders effektiv, um eine persönliche Verbindung zu deiner Community aufzubauen.
Google Business Profile: Unverzichtbar für die lokale Sichtbarkeit. Hinterlege Fotos deines Studios, deine Öffnungszeiten und Kontaktdaten. Ermutige zufriedene Kundinnen, eine Google-Bewertung zu hinterlassen.
Plattformen: Registriere dich auf Treatwell und local.ch. Diese Plattformen bringen dir zusätzliche Sichtbarkeit und neue Kunden, die gezielt nach Kosmetikbehandlungen in ihrer Umgebung suchen.
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Herzlichen Glückwunsch, du bist bestens informiert und bereit für den nächsten Schritt! Hier deine Checkliste:
- Ausbildung und Qualifikationen sicherstellen
- Rechtsform wählen und Firma gründen
- AHV-Anmeldung als Selbständigerwerbende/r
- Berufshaftpflichtversicherung abschliessen
- Hygienekonzept erstellen
- Räumlichkeiten suchen, einrichten und genehmigen lassen
- Geschäftskonto eröffnen und Buchhaltung einrichten
- Online-Buchungssystem einrichten
- Website und Social-Media-Profile aufbauen
- Erste Kunden gewinnen
Gehe diese Liste Schritt für Schritt durch. Manche Punkte kannst du parallel erledigen, andere bauen aufeinander auf. Lass dich nicht entmutigen, wenn nicht alles sofort perfekt ist. Dein Studio wird mit der Zeit wachsen und sich weiterentwickeln.
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